Katja Sehl

Als 3. von 4 Töchtern in Süddeutschland geboren, wuchs ich in einem lebhaften Haus voller Bewegung, Tanz und Musik auf. Mit 16 verließ ich erstmals die sichere Kleinstadt für 1 Jahr via Schüleraustausch nach Detroit/USA… ein echter Kulturschock! Begann zu zeichnen und zu modellieren, machte Abitur, studierte an der Stuttgarter Kunstakademie. Arbeitete parallel dazu am Off-Theater Die Rampe, gestaltete Plakate, Kostüm- und Bühnenbilder, gefolgt von lehrreichen Jahren als Assistentin und Bühnenbildnerin am Schauspiel des Stuttgarter Staatstheaters.

Erlebte Freiheit im Zeichnen und Tanzen, lernte Authentic MovementAmos Hetz‘ Movement Studies, seine TanzBild-Notationen kennen, lernte von Laura Sheleen (Impression Expression Corporelle/Masken und Individuation). Sie machte mich mit Joseph Campbell’s Mythenwelt und C.G.Jung’s Traum-Archetypen bekannt und lehrte mich, meine (wörtlich) ‚falsche (BravesMädchen-) Bescheidenheit‘ zu hinterfragen…

Zu den wichtigsten Tanzerfahrungen gehören Reisen nach Westafrika zum Ursprung des Tanzes. Cheikh Tidiane Niane und die Griot-Familie-Nago Koité bauten wichtige Brücken zwischen Afrika und Europa. Heute erlebe ich Koffi Kôkô als erfahrenen Künstler und Lehrer eines spirituell inspirierten Tanzes – Mittler zwischen Süden und Norden.

1999 liess ich den hierarchischen Theaterbetrieb hinter mir, pilgerte mit dem Sufi-Lehrer Jabrane Sebnat durch die Marokkanische Wüste, zog dann mit leichtem Gepäck nach Berlin und ging eine langjährige, bewegte Liebesbeziehung ein…

Bis 2016 lebte ich freischaffend in Ateliers in Kreuzkölln, Lichtenberg, Wedding und Groß Glienicke. Leitete 12 Jahre lang eine Buchdruck-Werkstatt an der Haller Akademie der Künste, begleitete dort gemeinsam mit engagierten KollegInnen junge Menschen durch ein Künstlerisches Jahr, lehrte an Sommerakademien, nahm an Ausstellungen teil… aber die inflationär wachsende, globalisierte Kunstwirtschaft, Verschulung der Kunstpraxis, Leistungs- und Konkurrenzdruck, Existenzangst und Sinnkrise… trennten mich zunehmend von meiner ursprünglichen, natürlichen Kreativität und Lebensfreude… Zeit für tiefgreifende Veränderungen.

Rückbesinnung: Der Wer zeigt sich beim Weitergehen… 

Tanz-und Bewegung sind heilsam für Geist und Körper. 2015 begann meine mehrjährige Biodanza-Ausbildung an der BD-Schule Berlin Mitte (Leitung Sammo Lusa). Herzenswärme, kreative Begegnungen und ein liebevolles Miteinander zeichnen das ursprünglich südamerikanische, offene Tanzsystem aus, das durch viele Erben des Begründers Rolando Toro lebendig erlebbar bleibt. 2019 konfrontierte Tadashi Endo’s Butoh-Tanz ( Intensiv-Workshop) mit Grenzen zwischen Ost und West, radikaler Echtheit anstelle von sinnentleerten Bewegungsformeln.

In großer Dankbarkeit gegenüber Förderinnen, erfahrenen Lehrerinnen und Lehrern vieler Kulturen, reich beschenkt an Inspiration, Erfahrung und liebevollen Verbindungen mit Menschen, die mutig und eigensinnig ihrem Weg folgen, werde ich weiterbewegt – begleite Menschen auf ihrem Weg schöpferisch-kreativer Entfaltung: neugierig und dankbar für jede erlebte, erinnerte, geteilte Erfahrung…

Alle tanzen verschieden. Alles tanzt ein und den selben universellen Tanz.

Gutes pflegen und Neues bewegen! Hier sprechen einige wichtige Lehrer:innen… 

Amos Hetz, Jerusalem, Choreograph, Tänzer, Bewegungslehrer: Meine Movement Studies haben zum Ziel, Unterstützung, Inspiration und Techniken an Tänzer und Tänzerinnen, Schauspielende, Musikerinnen und Musiker, Lehrende, Therapeutinnen und Therapeuten und an interessierte Laien im Bereich Bewegung zu vermitteln. Der entscheidende Wechsel vom traditionellen Training zum „neuen“ humanistischen Zugang liegt darin, Bewegung als einen Teil des Individuums, als Zugang zu sich selbst zu betrachten und Unterstützung und Mittel je nach individuellem Potential und eigenen Bedürfnissen bereitzustellen.(…)

Jabrane Sebnat, Marokko, Sozialpsychologe, Lehrer in Sufi-Tradition (Meditation der 4 Himmelsrichtungen): Die eigentliche Botschaft dieser Übung ist: Bewege Dich, atme und bringe Deine Schönheit zum Ausdruck!

Laura Sheleen, Liège/Frankreich, Tänzerin, Choreographin, Lehrerin (Expression/Impression Corporelle): Es gibt etwas im Menschen, das weiß, wo es hin will. Wenn dieses Etwas sich in einer bestimmten Atmosphäre wiederfindet, in der es sich sicher, geborgen und wohl fühlt, kann es seinen eigenen Fortschritt lenken. Meine Arbeit in den Gruppen besteht darin, zu horchen, was der Mensch an Möglichkeiten in sich trägt. Eines der Prinzipien dabei ist die Koexistenz. Es geht darum, zu erkennen, daß es sehr verschiedene Arten und Weisen gibt, Dinge zu betrachten. Ich versuche erfahrbar zu machen, wie man den Anderen in seiner Andersartigkeit akzeptieren kann. Sehr verschiedene Dinge können gleichzeitig nebeneinander existieren(…)  Multidimensional zu werden heißt, die Energie genau dorthin lenken zu können, wohin man sie haben will und wann man sie haben will und darüber hinaus noch zu wissen, warum man das will.(…) aus: Vor Freude tanzen, vor Jammer halb in Stücke gehn – Hadassa K.Moscovici

Rolando Toro Araneda, Chile, Psychologe, Anthropologe (System Biodanza/IBF, post-hum): Tanz wird normalerweise mit klassischen Ballettaufführungen oder ähnlich strukturierten, aus festgelegten Schrittfolgen bestehenden Tanzformen assoziiert. Bei dieser ausschließlich formalen Auffassung von Tanz wird seine ursprüngliche Bedeutung außer Acht gelassen. Für Urvölker war der Tanz eine Art und Weise zu kommunizieren, zu feiern, Freude oder Traurigkeit, sowie religiöse oder profane Verehrung auszudrücken. Der Zivilisationsprozess hat wesentlich dazu beigetragen, dass dieser Ausdruck von Lebenserfahrung durch Bewegung verschwunden ist. 

Ich glaube an einen organischen Tanz, der den natürlichen Bewegungsmustern des Menschen entspricht: Bewegungen, die musikalische Harmonie und archetypische Gesten in sich vereinen; Bewegungen, die in tiefem Einklang mit dem Kosmos ausgeführt werden.(…)

Ich bin ein Mensch unter Menschen.(…) Ich bin weder Meister noch Guru. Ich will eine gleichwertige Beziehung mit den Menschen haben. Hinzu kommt, dass ich viele Fehler mache, ich bin sehr unwissend.(…) aus: Der Mann, der mit Rosen spricht – Interviews mit H.Lévy-Benseft, B.Ribant, B.Giuliani

Koffi Kôkô, Frankreich/Benin, Tänzer, Choreograph, Vodun-Priester: Ich möchte die Erfahrungen und das Wissen einer jahrhundertealten lebendigen Tradition Westafrikas für die Konzepte eines zeitgenössischen und verantwortungsbewussten Handelns mit den Mitteln der Tanzkunst wirksam machen.(…) aus: PASSAGEN, Der Tänzer Koffi Kôkô und die westafrikanische Philosophie des VodunJohannes Odenthal

Tadashi Endo – Dancing In Between: https://www.youtube.com/watch?v=yla-ZhPEByo